Das war die ÖKOBÜRO-Energiekonferenz „Der Ökostrommarkt“

Foto: ÖKOBÜRO

Am 18. November 2014 lud ÖKOBÜRO mit Unterstützung des Umweltministeriums bereits zum zweiten Mal ins Naturhistorische Museum.

 

Stand im Vorjahr die Anpassung der Stromnetze an die Energiewende im Mittelpunkt, drehte sich diesmal alles um Fragen des Strommarktes: Was ist der beste Weg hin zu einem erneuerbaren Energiesystem? Welchen Rahmen benötigt der Ökostrommarkt? Weshalb rechnen sich die meisten Stromerzeugungstechnologien zurzeit kaum noch? Warum produziert der Markt steigende CO2-Emissionen – trotz der rasanten Zunahme von Ökostrom? Und vor allem: Welche Antworten können wir darauf geben?

 

Die Richtung gab ÖKOBÜRO-Geschäftsführer Thomas Alge bereits in seinem Eröffnungsstatement vor: Das System krankt nach wie vor an enormen Subventionen für thermische Kraftwerke und Atomkraftwerke. Dies mache Förderungen für Erneuerbare überhaupt erst notwendig. Außerdem führen die niedrigen Preise im CO2-Zertifikatehandel zu immer mehr Verstromung von besonders klimaschädlicher Kohle. Um einen funktionierenden Strommarkt aufzubauen – so Alge weiter – müssten die Subventionen für thermische und Atomkraftwerke  endlich gestoppt werden. Bis dahin seien fixe Einspeisetarife das bewährteste Mittel um neue Ökostromanlagen ans Netz zu bringen. Marktprämien für Ökostrom wären darüber hinaus eine gute Möglichkeit, um die Altanlagen am Netz halten. Zudem muss der CO2-Preis steigen.

 

 

Im zweiten Eröffnungsstatement wies Peter Iwaniewicz, Referatsleiter im Umweltministerium, auf die doppelte Rolle von NGOs hin: NGOs ständen als „vierte Säule“ der Demokratie kontinuierlich im fachlichen Austausch mit Ministerien und Behörden. Zum anderen würden NGOs mit Konferenzen wie dieser zur Verbreitung von Wissen beitragen. Damit befähigen sie die Menschen zur Teilhabe an demokratischen Prozessen.

 

 

Kohle als Hindernis für Klimaziele

Zu Beginn des ersten Impulsreferats (Download Präsentation) verwies Jürgen Schneider, Leiter der Abteilung  Wirtschaft und Wirkung am Umweltbundesamt, auf den jährlichen Risk Report des Weltwirtschaftsforums, der den Klimawandel bereits zum wiederholten Male als eine der größten Gefahren für die menschliche Entwicklung nennt. Trotzdem – so Schneider -  steigt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre weiterhin nahezu ungebremst an. Schuld daran sei vor allem der Einsatz fossiler Energieträger – insbesondere von Kohle. Doch wie Fatih Birol, Chefökonom der Weltenergieagentur bei Präsentation des World Energy Outlook 2014 festgehalten habe: „The increased use of coal will be incompatibel with with climate goals”.

 

 

So wird selbst Deutschland seine Klimaziele nicht erreichen können, da, so Schneider, Energieminister Sigmar Gabriel weiter auf Kohle setzt. Dass Kohle derzeit so konkurrenzlos günstig ist, liege neben dem Schiefergas-Boom in den USA vor allem an einer Überkapazität von rund zwei Milliarden Zertifikaten am CO2-Markt und dem dadurch verursachten unangemessen niedrigen Preis für CO2-Zertifikate. Diese Begünstigung der Kohle drohe in neuerlichen Investitionen in Kohlekraftwerke zu enden, die dann für weitere 40 Jahre am Netz bleiben. Zur Korrektur dieser Fehlentwicklung forderte Schneider vor allem eine Revision des Europäischen CO2-Zertifikatmarkts ETS, ein Ende der Subventionen fossiler Energieträger und mehr Forschungsgelder für Erneuerbare und Energieeffizienz.

 

 

Energiemärkte im Umbruch

Im zweiten Vortrag des Tages (Download Präsentation) stellte Peter Molnar, Geschäftsführer von Klimabündnis Österreich, „fünf Irritationen“ in den Mittelpunkt, die zu den aktuellen Verzerrungen am Strommarkt führen würden.

 

  • 1.    Die Subventionen für fossile Energieträger und Atomkraft übersteigen in Europa die Förderungen für Erneuerbare um ein Vielfaches.
  • 2.    Atomkraftwerke liefern  Strom, ohne dabei die enormen Kosten im Falle einer Kernschmelze einpreisen zu müssen.
  • 3.    Amerikanisches Schiefergas und das Versagen des CO2-Markts sorgen dafür, dass Kohleverstromung in Europa preislich attraktiv ist.
  • 4.    Es gibt große Überkapazitäten in den konventionellen Kraftwerkparks.
  • 5.    Die großen Energieversorger haben die Auswirkungen des rasanten Anwachsens der Erneuerbaren Energien unterschätzt.

 

 

Für einen fairen Ökostrommarkt forderte Molnar unter anderem Kostenwahrheit bei Subventionen für konventionelle Kraftwerke und einen CO2-Preis, der die realen Klimakosten widerspiegle. Bis dies erreicht ist, seien fixe Einspeisetarife als bewährte Starthilfe für neue Erneuerbare Energieerzeugung beizubehalten. Damit sich Erneuerbare Altanlagen in den übersubventionierten „Markt“ der Konventionellen überhaupt integrieren können, sind Marktprämien eine notwendige Voraussetzung.

 

 

Marktsituation für Erneuerbare

Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft, betonte im dritten Beitrag des Tages (Download Präsentation) dass die bisherige Betrachtung des Stromsystems überholt sei und regte zum Umdenken an. Die Basis der Stromversorgung würden künftig die Erneuerbaren und nicht die heutigen Grundlastkraftwerke mit Kohle- und Atomkraft bilden. Aber gerade bei diesen umweltschädlichen Kraftwerken gäbe es enorme Überkapazitäten. Denn Kohle- und Atomkraftwerke sind zu unflexibel, um die erneuerbare Stromproduktion zu ergänzen. Daher gingen diese Kraftwerke selbst bei genügend Strom aus Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft nicht vom Netz und sorgen so für Überschüsse und die für die Erzeuger desaströs niedrigen Preise.

 

 

Für Moidl ist klar, dass die fossile Überproduktion geregelt werden muss. Außerdem plädierte er dafür, Österreichs Erneuerbare von den Wettbewerbsnachteilen gegenüber erneuerbarer und konventioneller Konkurrenz im Ausland zu befreien. Diese Nachteile werden durch höhere Ausgleichsenergie- und Netzkosten in Österreich hervorgerufen.

 

Podiumsdiskussion

Anschließend folgte eine Diskussion unter reger Beteiligung des Publikums. Silvia Angelo (AK Wien) und Barbara Schmidt (Oesterreichs Energie) gesellten sich dabei unter der Leitung von Johannes Kaup (Ö1) zu den drei Vortragenden des Vormittags: Jürgen Schneider (Umweltbundesamt), Peter Molnar (Klimabündnis Österreich/ÖKOBÜRO – Allianz der Umweltbewegung) und Stefan Moidl (IG Windkraft). Der thematische Bogen spannte sich dabei von Kostenwahrheit im Strommarkt und versteckten Subventionen für Wärme- und Atomkraftwerken über die beste Förderung von Erneuerbaren Energieträgern bis hin zu Marktversagen und Managementfehlern in der Energiebranche.

 

 

Der Vormittag ging mit angeregtem Networking am Buffet zu Ende. Damit war auch die zweite ÖKOBÜRO-Konferenz zur Energiewende ein voller Erfolg. ÖKOBÜRO bedankt sich beim Ministerium für ein lebenswertes Österreich/Umweltministerium für die Unterstützung und freut sich auf ebenso rege Diskussionen im nächsten Jahr.

 

Download Präsentation Jürgen Schneider

Download Präsentation Peter Molnar

Download Präsentation Stefan Moidl

Download Broschüre Der Ökostrommarkt

 

 

 

 

geändert am 19.11.2015