EU-Staaten verfehlen Energiesparziel.

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Musterschüler und Nachzügler.

 

18 von 27 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union haben ihre Ziele für den Energieverbrauch gemeldet, die bis 2020 zu einer Gesamtenergiereduktion der EU von 20 % gegenüber 1990 führen sollen. The Coalition for Energy Savings (CES) hat nun errechnet, dass die - ohnehin unverbindlichen - Ziele der einzelnen Staaten zu niedrig sind, um dieses Ziel zu erreichen.

 

Selbst unter der optimistischen Annahme, dass jene 9 Länder, die keine Ziele genannt haben, einen ähnlichen Energieverbrauch wie die anderen haben werden, werden sich nur 17 % Einsparung ausgehen. Diese Lücke ist größer als sie zuerst erscheint. Immerhin wird das Gesamtziel von - 20 % so nur zu 85 % erreicht. Es fehlen 62 Millionen Tonnen Erdöläquivalent (Mtoe), was dem jährlichen Energieverbrauch Belgiens entspricht.

 

Unter den gemeldeten Ländern sind die Slowakei, Belgien, Irland, Griechenland und Italien die Musterschüler. Gegenüber den aktuellsten Energieverbrauchsprojektionen haben sich diese Länder die ambitioniertesten Einsparungen zum Ziel gesetzt. Estland, Finnland, Malta, Rumänien und Portugal streben hingegen sogar einen Mehrverbrauch an.

 

Österreich: Mehr wäre möglich.

 

Österreich schwimmt im schwachen Mittelfeld mit. Das in Österreichs Energiestrategie gesetzte Ziel von 1.100 Petajoul (entspricht ca. 26 Mtoe und dem Endenegieverbrauch von 2005) energetischen Endverbrauchs wurde, begünstigt durch einen milden Winter, bereits 2011 unterschritten. Weitere Anstrengungen, den Energieverbrauch darüber hinaus dauerhaft zu reduzieren, sind derzeit jedoch nicht erkennbar.

 

An Möglichkeiten würde es Österreich dabei nicht fehlen. Durch hochwertige thermische Sanierungen kann der Heizenergieverbrauch drastisch reduziert werden. Die dafür in den letzten Jahren bereitgestellten Förderungen haben sich zudem auf Arbeitsmarkt und Wirtschaftsleistung so positiv ausgewirkt, dass die ausgezahlten Gelder vielfach wieder in den Staatshaushalt zurückgeflossen sind. Die jährlichen 100 Millionen Euro des Sanierungsschecks haben 10.000 Arbeitsplätze geschaffen und lösen pro Jahr nicht weniger als 700 Millionen an Investionen aus. Daher sollte der Sanierungsscheck schleunigst auf 300 Millionen im Jahr aufgestockt werden.

 

Mehr Öffis brauchen weniger Energie.

 

Auch beim Verkehr - Österreichs größtem Energieverbraucher - sind noch enorme Einsparungsptentiale zu heben. Wie das Beispiel Wien drastisch vor Augen geführt hat, kann man durch richtig gesetzte Maßnahmen die Öffentlichen Verkehrsmittel gegenüber dem Auto wesentlich attraktiver machen. Die verbilligte Jahreskarte für 365 Euro hat den Wiener Linien einen Ansturm neuer Kunden beschert. Binnen eines Jahres stieg die Zahl der Jahreskartenbesitzer um rund 140.000 auf mehr als 530.000 - Tendenz weiter steigend.

 

Das erfolgreiche Konzept hat zum Glück bereits Nachahmer in anderen Bundesländern gefunden, aber besonders abseits von Wien muss auch das Angebot an Öffentlichen Verkehrsmitteln verbessert werden, damit die Menschen leichter umsteigen können. Besonders drastisch ist das Problem in den Ballungsräumen. So leben in den Gemeinden rund um Wien hunderttausende Menschen, die nicht durch das dichte Netz der Wiener Linien versorgt werden und daher fast zwangsläufig mit dem Auto in die Stadt fahren. Selbst die Landeshauptstädte haben große Probleme, attraktive Öffentliche Verkehrsnetze zur Verfügung zu stellen. Ein Agglomerationsfonds könnte hier Abhilfe schaffen. In der Schweiz wird so der öffentliche Nahverkehr mit jährlich 6 Mrd. Franken (4,8 Mrd. Franken) über die Grenzen von Gemeinden und Kantonen hinweg fefördert.

geändert am 14.07.2015